Besuch im Rathaus

Am 05. April 2017 besuchten unsere Schulreporter Kaan-Mirza, Luis und Tim aus der Klasse 4b das Ahauser Rathaus und interviewten Karola Voß, die Bürgermeisterin. Das waren ihre Fragen:

 

Tim:  Warum wollten Sie Bürgermeisterin werden?

Weil ich gerne im Rathaus arbeite und auch gerne Verantwortung übernehme. Und auch gerne mitbestimmen möchte, was in Ahaus passiert.

 

Tim:  Macht es Ihnen Spaß?

Ich bin gerne Bürgermeisterin.

 

Tim:  Haben Sie irgendwelche Probleme?

Die Stelle ist nicht einfach, weil wir viele Beschäftigte sind, für die ich verantwortlich bin. Dazu bin ich auch Vorsitzende im Rat. Das sind 42 Vertreterinnen und Vertreter, die von den Bürgerinnen und Bürgern gewählt worden sind und mit denen wir die wesentlichen Aufgaben in der Stadt entscheiden. Dort muss ich gut vorbereitete Begründungen liefern. Im Großen und Ganzen geht es uns hier in Ahaus gut.

 

Luis:  Wie viele Angestellte haben Sie?

Ungefähr 400 Personen arbeiten hier. Aber manche sind auch beurlaubt.

 

Tim:  Haben Sie Kinder und einen Mann?

Ja. Ich habe eine Familie, bin verheiratet und habe zwei Kinder.

 

Tim:  Was machen Sie bei der Arbeit?

Ich muss Entscheidungen treffen. Ich bearbeite Mails. Jeden Tag kommt Post, die ich durchsehe und die hier im Haus verteilt wird. Ich habe viele Termine, Gespräche und Sitzungen, die stattfinden. Es gibt eine monatliche Sprechstunde, wo Einwohnerinnen und Einwohner kommen können und Anliegen für die Bürgermeisterin haben. Ich habe eigentlich jeden Tag viele Termine. Zum Teil auch abends.

 

Haben Sie eine Limousine?

Nein. Aber ich habe einen schönen Dienstwagen, den ich im letzten Jahr bekommen habe.

 

Tim:  Sind Sie Ahauserin?

Ja ich bin Ahauserin. Ich wohne in Quantwick. Das ist eine Bauernschaft in Wüllen.

 

Luis:  Haben Sie manchmal Urlaub?

Ja. Ich habe auch Urlaub.

 

Luis: Haben Sie Feinde?

Das hoffe ich nicht.

 

Luis: Haben Sie ein Haustier?

Nein. Mein Mann ist Jäger und hat einen Jagdhund. Aber wir haben keine Haustiere. Weil ich nur ganz selten zu Hause bin, wäre das für ein Tier nicht so gut.

 

Luis:   Was ist ihr Lieblingstier?

Ein Pferd.

 

Kaan:   Welcher Partei gehören Sie an?

Ich bin parteilos. Ich gehöre keiner Partei an.

 

Kaan:  Was haben Sie studiert?

Ich habe immer in der Verwaltung gearbeitet und dort auch praktisch meine Ausbildung gemacht.

 

Kaan:  Was muss man studieren um Bürgermeisterin zu werden?

Es ist hier in Deutschland so, dass es keinen bestimmten Beruf gibt, um Bürgermeisterin oder Bürgermeister zu werden. Das kann jeder werden, der die deutsche Staatsangehörigkeit oder die Staatsangehörigkeit eines Landes der EU hat, mindestens 23 Jahre alt ist und seinen Hauptwohnsitz in Deutschland hat. Also es könnte auch ein Bäcker, ein Lehrer, jeder, der Interesse hat, es werden. Aber man muss natürlich auch von den Bürgerinnen und Bürgern gewählt werden.

 

Kaan:  Aber was wäre, wenn ein Lehrer gewählt wird und der eine Klasse hat?

Die Schule muss eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger suchen.

 

Kaan:  Warum sind Sie Bürgermeisterin geworden? Und warum hier?

Einmal natürlich, weil ich auch in Ahaus wohne. Daher würde ich gern etwas für Ahaus tun. Eine Stadtverwaltung hat so viele Aufgaben: für Kinder in Kitas und in Schulen; aber auch, wenn gebaut wird oder wenn etwas im Sportbereich zu machen ist. Es gibt so viele Themen, für die in der Stadtverwaltung gearbeitet wird. Ich finde einfach gut, die Wünsche der Bürgerinnen und Bürger in ihrer Stadt zu kennen und sich dafür einzusetzen.

 

Kaan:  Was macht Ihnen Spaß an Ihrem Beruf?

Ich arbeite gerne mit anderen Menschen zusammen und mir gefällt die Möglichkeit  zu überlegen, was für die Zukunft gut sein könnte. Also auch Ideen zu haben und mit anderen Menschen zu überlegen, wie kann man das hinbekommen.

 

Kaan:  Was finden Sie nicht so gut an Ihrem Beruf?

Manche Dinge dauern lange. Viel Arbeit auch. Ich hätte gerne ein bisschen mehr Zeit im Büro. Ich versuche immer, alles möglichst schnell weg zu arbeiten. Aber wenn ich viele Treffen habe, dann bleibt einfach auch einiges liegen. Und ich erledige eigentlich gerne die Sachen immer sehr schnell.

 

Kaan:  Wie viele Tage in der Woche und wie lange arbeiten Sie?

Ich fange meistens morgens um 8.30 bis 9.00 Uhr an. Heute Morgen um 8.30 Uhr, weil ich einen Termin hatte. In dieser Woche muss ich z. B. jeden Abend länger arbeiten. Am Montag und Dienstag jeweils bis abends 22 Uhr. Heute Abend ist auch noch mal eine Sitzung um 18 Uhr.

 

Kaan:  Hatten Sie schon als Kind den Wunsch, Bürgermeisterin zu werden?

Nein. Daran habe ich vorher nicht gedacht.

 

Kaan:  Haben Sie Hobbies und auch Zeit für diese?

Ich habe wenig Zeit und habe eigentlich gar nicht so viele Hobbies. Ich habe zwei Stammtische mit Frauen, wo man mal abends essen geht und sich  trifft. Ich bin gern mit meinen Kindern zusammen und wenn ich mal ganz viel Zeit habe – was wirklich selten vorkommt – löse ich gerne Kreuzworträtsel.

 

Kaan:  Wie lange bleibt man Bürgermeisterin?

Man ist gewählt für fünf Jahre. Ich bin 2015 gewählt worden und meine Zeit geht jetzt bis 2020.

 

Kaan:  Kann man während dieser Zeit auch abgewählt werden?

Ja. Also die Möglichkeit gibt es. Aber das können nur die Bürgerinnen und Bürger machen. Also wenn sie so unzufrieden mit mir wären, dann gäbe es die Möglichkeit, dass man auch abgewählt würde.

 

Kaan:  Wofür setzen Sie sich in der Gemeinde ein?

Besonders möchte ich gern, dass sich die jungen Menschen in Ahaus wohlfühlen. Ich finde, für eine Stadt ist es ganz wichtig, dass junge Menschen dableiben. Damit es immer genügend Familien mit Kindern gibt. Und ich möchte, dass die jungen Leute Ahaus gut finden, weil es hier etwas zu erleben gibt; weil es hier gute Ausbildungsplätze gibt; weil man sich hier in der Freizeit gut aufhalten und weil man sich politisch engagieren kann.

 

Kaan:  Sind Flüchtlinge willkommen?

Ich denke, dass uns Menschen, die uns ein wenig fremd sind, gut tun. Weil wir  viel von Ihnen lernen können;  weil sie auch ihre Stärken haben und weil es – egal wo man auf der Welt ist – auch wir selbst manchmal Fremde sind. Und oft haben ja gerade Flüchtlinge eine schwierige Zeit in ihrem Heimatland gehabt und uns geht es hier sehr gut, sodass ich finde, dass es zu uns gehört, Gutmütigkeit und Hilfsbereitschaft zu zeigen.

 

Kaan:  Waren Sie eine gute Schülerin?

Ich war recht gut in der Schule. Aber ich war nicht die Beste.

 

Kaan:  Welches war Ihre schlechteste Note?

Die Sechs natürlich. Ich werde das nie vergessen. Das war eine unangekündigte Englischarbeit in der Klasse 5. Und irgendwie hatte ich noch nicht so viele Vokabeln gelernt und da war es passiert.

 

Kaan:  Wie sind Sie Bürgermeisterin geworden?

Ich bin hier in Ahaus gewählt worden. 2015 war das. Der vorherige Bürgermeister wollte nicht gerne weitermachen. Er war schon 11 Jahre Bürgermeister. Und damit war klar, dass ein neuer Bürgermeister oder eine neue Bürgermeisterin gewählt wurde. Dann gab es mehrere Kandidaten, die gerne Bürgermeister oder Bürgermeisterin werden wollten. Also wählen alle Ahauserinnen und Ahauser – alle ab 16 können wählen – eine dieser Personen und wer dabei die meisten Stimmen bekommen hat, ist dann Bürgermeister geworden.

 

Kaan:  Ist Ihr Beruf anstrengend?

Ja.

 

Kaan:  Treffen Sie sich auch mit anderen Bürgermeistern?

Ja, das machen wir. Sogar ganz regelmäßig. Ahaus gehört  zum Kreis Borken und wir treffen uns einmal im Vierteljahr mindestens mit allen Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern zu Gesprächen, weil oft die Themen, Probleme und Dinge auch vergleichbar sind.  Und da wird auch schon mal gefragt, wie macht das der eine oder der andere. Wie sollen wir uns verhalten. Und das ist auch eine gute Zusammenarbeit.

 

Kaan:  Haben Sie Pläne, wie z. B. Bundestagsabgeordnete zu werden?

Ehrlich gesagt, möchte ich gerne noch Bürgermeisterin bleiben. Auch länger als 2020, wenn ich gewählt werde.

 

Kaan:  Lesen Sie Zeitung und wenn ja welche?

Ja, ich lese Zeitung. Auf jeden Fall lese ich bei der Münsterland Zeitung immer den Ahauser Teil.

 

Kaan:  Wie sieht Ihr Alltag aus?

Also morgens fahre ich hier ins Büro und schaue auf dem Schreibtisch, was an Mails da ist und welche Termine ich habe. Ich muss mich für Termine ja auch vorbereiten und ein paar Dinge lesen. Manchmal besuche ich auch Einrichtungen. So wie heute Morgen war ich beim AHG eingeladen. Dort findet ein Studieninformationstag statt und ich durfte ein Grußwort halten. Und dann sind hier im Haus auch tagsüber Termine. So wie halt auch mit euch, ein Interview zu führen.

 

Kaan:  Von wie vielen Menschen wurden Sie gewählt?

Ich weiß die Zahl nicht ganz genau. Aber es waren mehr als 10 000.

 

Kaan:  Was wollen Sie an Ahaus verbessern oder ändern?

Eine Bürgermeisterin verändert selbst nicht in großem Maße eine Stadt. Aber man kann mit Ideen und Überlegungen schon noch mal Veränderungen bewirken.

 

Kaan:  Wie sieht ihr Ahaus der Zukunft aus?

Gerne viele junge Menschen. In einer Sprechstunde waren vier Jungen, die sich einen Mountainbike-Platz wünschen, wo man mountainbiken kann. Und ich fände einfach schön, wenn ich wüsste, dass die Menschen in Ahaus mit ihrer Stadt zufrieden sind, sich hier sicher fühlen, einen guten Arbeitsplatz haben, glücklich sind  und gerne in die Stadt gehen. Eben das würde ich mir wünschen.

 

Kaan:  Welches Ereignis hat Sie in diesem Jahr persönlich am meisten bewegt?

Es ist ja eine junge Frau ermordet worden. Das hat mich schon sehr berührt.

 

Kaan: Angst vor Fremden ist ein Thema, dass viele Menschen auf unterschiedliche Weise beschäftigt. Wie denken Sie darüber?

Ich habe bisher nur gute Erfahrungen mit Fremden gemacht. Ich weiß, dass das natürlich nicht überall so ist, weil es sicher auch immer mal Schwierigkeiten gibt. Ich selber habe das aber noch nicht erlebt und gehe sehr offen auf Menschen zu und auch auf Fremde. Und ich finde man merkt schon alleine, wenn man jemanden nicht kennt auf der Straße, ihn aber einfach nur freundlich anlächelt oder guten Tag sagt, dass das auch zurückkommt.

 

Wir danken der Bürgermeisterin für ihre Zeit und dieses tolle und sehr ausführliche Interview!

 

Schülerreporter Kaan-Mirza, Luis und Tim